Als Ausbildungsvermittlerin bei der Industrie- und Handelskammer zu Köln weiß Sevda Sümer, worauf es bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen ankommt. Täglich sichtet sie Bewerbungsunterlagen und führt Bewerbungsgespräche. Sümer führt Ausbildungsbetriebe und Jugendliche gezielt zusammen.

Ceno: Welche Formen von Bewerbungen gibt es heute?

Sevda Sümer: „Große Unternehmen haben oftmals Online-Bewerbungsplattformen. Diese sind so individuell, das ich nur empfehlen kann, Schritt für Schritt die angeforderten Dokumente hochzuladen und die Fragen zu beantworten. Immer seltener wird die klassische Bewerbungsmappe, die per Post versandt wird. Kleine und mittelständische Unternehmen erwarten i. d. R. eine Online-Bewerbung, die per E-Mail versandt wird. Bewerber sollten darauf achten, ihre Bewerbung als ein PDF-Dokument von einer seriösen E-Mail Adresse zu verschicken.“

Das Anschreiben ist das Herzstück einer Bewerbung. Was müssen Bewerber hier beachten?

„Das Anschreiben ist wie ein Geschäftsbrief aufgebaut. Es muss eine Einleitung geben und dann sehr klar daraus hervorgehen, warum sich der Bewerber genau für diesen Ausbildungsplatz und genau für das Unternehmen interessiert. Außerdem sollte der Bewerber klar herausstellen, was er für Fähigkeiten, fachliche Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt, die für den angestrebten Beruf von Bedeutung sind. Stärken sollten immer mit relevanten Beispielen untermauert werden. Die Anforderungen an das Anschreiben variieren und sind im kaufmännischen Bereich höher als bei handwerklichen Berufen. Grundsätzlich gilt: Je individueller eine Bewerbung auf das Unternehmen zugeschnitten ist, desto wahrscheinlicher ist die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Das Anschreiben soll nicht länger als eine DIN A4-Seite und natürlich frei von Rechtschreibfehlern sein.“

Sollte im Lebenslauf wirklich alles aufgelistet werden, was der Bewerber gemacht hat?

„Auch hier sollte sich der Bewerber fragen: Welche Informationen über mich sind für das Unternehmen interessant? Für Unternehmen ist es auf jeden Fall relevant zu wissen, wenn eine Schülerin oder ein Schüler Zeitungen ausgetragen oder einen Job als Babysitter/in hatte. Von solchen Nebentätigkeiten lässt sich einiges über die Person ableiten, z. B. Selbstständigkeit und die Motivation, eigenständig etwas zum Taschengeld beizutragen. Der Lebenslauf sollte tabellarisch aufgebaut und bei Jugendlichen i.d.R. nicht länger als eine Seite sein.“

Was macht ein gutes Bewerbungsfoto aus?

„Ein gutes Bewerbungsfoto ist nicht zu verwechseln mit einem biometrischen Passbild. Der Bewerber muss sympathisch wirken und dem angestrebten Beruf entsprechend gekleidet sein. Meine Empfehlung: Lieber eine sehr gepflegte Garderobe als zu lässig!“

Wie können sich Jugendliche auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten?

„Übung macht den Meister! In Rollenspielen oder vor dem heimischen Spiegel können Vorstellungsgespräche wunderbar simuliert werden. Bewerber müssen sich vorab Antworten auf die gängigen Fragen überlegen, wie z. B. die eigenen Stärken in Bezug auf den Ausbildungsplatz. Auch die Selbstpräsentation will geübt sein. Und natürlich muss sich ein Bewerber intensiv über das Unternehmen informieren. Neben den inhaltlichen Themen ist Pünktlichkeit wichtig. Die Jugendlichen müssen sich vorab informieren, wie weit der Weg zum Vorstellungsgespräch ist und mit welchem Verkehrsmittel sie dort hinkommen. Eine gepflegte, angemessene Garderobe ist natürlich auch von Bedeutung. Weisen Sie die Jugendlichen lieber einmal mehr darauf hin am gleichen Tag zu duschen, nicht 10 Minuten vor dem Gespräch zu rauchen und ohne Kaugummi in das Gespräch zu gehen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es an solchen vermeintlichen Kleinigkeiten scheitern kann. Denn für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!“

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zum Thema Ausbildung gibt es auf der Website der IHK Köln. Dort finden Sie auch Muster für Bewerbungsschreiben und Lebenslauf.



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