Jane Petersen ist seit Februar 2020 Teil des Ceno Teams. Als Projektleitung ist sie gemeinsam mit anderen Pädagoginnen aus dem Ceno-Team für verschiedene Patenprojekte zuständig.

Was haben Sie beruflich gemacht bevor Sie zu Ceno gekommen sind?
Jane Petersen: „An der Uni Hamburg habe ich einen Bachelor in Erziehungs- und Bildungswissenschaften und später einen 2-Fach-Master in Erziehungs- und Rehawissenschaften an der Uni Köln gemacht. Neben der Arbeit schreibe ich aktuell an meiner Masterarbeit mit dem Thema „Politisches Selbstverständnis in sozialer Arbeit in der Migrationsgesellschaft“.

In der OGS einer Grundschule in Köln-Kalk konnte ich erste Erfahrungen als Gruppenleitung sammeln. Dort habe ich einen Einblick bekommen, wie es Familien geht, die in einem „sozialen Brennpunkt“ leben, was dort an Benachteiligung entsteht und was wir durch pädagogische Arbeit auffangen können.

Später habe ich in einer Unterkunft für Geflüchtete soziale Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen angeboten. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die jungen Menschen dabei zu unterstützen, sich für ihre eigenen Belange einzusetzen. Parallel absolvierte ich die Weiterbildung zur Systemischen Beraterin. Es ist sehr wichtig, nicht nur den Mensch zu sehen, sondern auch das System ins Blickfeld zu rücken und sich zu fragen, in welchem System bewegen sich geflüchtete Jugendliche, welche Möglichkeiten haben sie und welche nicht.

Eine weitere berufliche Station hatte ich beim Jugendmigrationsdienst. Hier habe ich junge Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte mit dem Fokus auf den Einstieg in Ausbildung, Beruf oder Arbeit beraten.“

Was sind Ihre Aufgaben als Projektleitung bei Ceno?
„Gemeinsam mit meinen Kolleginnen bin ich für verschiedene Patenprojekte im Einsatz. Seit September dieses Jahres ist Ceno Teil der Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“, die gezielt Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die in Deutschland geduldet sind, unterstützt. Diese Zielgruppe ist bislang häufig durch das Raster von Hilfsangeboten der Arbeitsförderung gefallen. Auch haben sie kaum Zugang zu Sprachkursen. Durch die Duldung werden den jungen Menschen viele Chancen verwehrt.

Das Projekt ist eingebettet in die Initiative „Gemeinsam klappt´s“ vom Land NRW. Das Besondere an unserer Umsetzung ist die Kombination aus hauptamtlicher Unterstützung durch uns Pädagoginnen und die Begleitung durch ehrenamtliche Perspektivpat*innen, die wir aktuell dringend für das Projekt suchen.“

Wie ist die Resonanz der jungen Menschen?
„Viele sind sehr überrascht, dass sie jetzt Hilfe erhalten. Die jungen Menschen freuen sich sehr darüber, denn bislang hatten sie kaum Hilfsangebote. Man merkt aber auch, dass sie sich ihre eigene Perspektive noch nicht vorstellen können, da sie teilweise stark belastet sind und bereits viele verschiedene Wege hinter sich haben. Gleichzeitig haben sie aber auch viel Potential und Stärken.“

Die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen ist sicher nicht immer leicht. Kann sie nicht auch frustrierend sein?
„Die Hürden für die jungen Menschen sind höher als für andere. Die Idee des Projektes ist auch, dass sie die erfahrende Unterstützung als Ressource für sich nutzen können. Im optimalen Fall kann eine erfolgreiche Ausbildung den Menschen helfen, einen sicheren Aufenthaltsstatus zu bekommen. Wir können den jungen Menschen nichts versprechen. Aber es sind durchaus einige Dinge möglich, die wir gemeinsam für eine bessere Perspektive tun können. Wir können dazu beitragen, die jungen Menschen aus ihrer Frustration herausholen.
Natürlich müssen ehrenamtliche Perspektivpat*innen bei diesem Engagement auf sich Acht geben. Dafür sind auch wir hauptamtlichen Pädagoginnen da, die die Pat*innen mit Einzelgesprächen, Erfahrungsaustauschtreffen und dem Angebot zur Supervision begleiten. Auch fachlich unterstützen wir die Pat*innen, z. B. wenn es um das Thema der Möglichkeiten mit einem bestimmten Aufenthaltsstatus geht.“

Was können die Perpektivpat*innen tun, um zur Integration der jungen Menschen beizutragen?
„Alleine durch die Zusammenarbeit mit den Perspektivpat*innen und mit uns kann sehr viel passieren. Sie merken: Da nimmt sich jemand Zeit für mich, interessiert sich und kümmert sich um meine Belange. Gerade in der Patenschaft ist alleine die Frage „wie geht es dir und was kann ich für dich tun?“ sehr wichtig. So können Brücken gebaut werden.

Ich selbst benutze den Begriff Integration nicht. Es schafft eine Kluft zwischen „wir und die Anderen“. Dabei gibt es nur ein Wir und eine grundlegend vielfältige Gesellschaft! Der Begriff Inklusion ist treffender. Jede*r kann unterstützen und dabei helfen Perspektiven zu erarbeiten. Das Projekt ist ein Stück in die richtige Richtung. Jemandem zu helfen, kann auch für die helfende Person sehr bereichernd sein.“

Was kann jede*r von uns im Alltag tun, um zur Inklusion beizutragen?
„Ich möchte mich gerne dem anschließen, was in der Öffentlichkeit momentan durch Black Lives Matter vielfach angestoßen wird. Selbstreflexion bringt enorm viel! Auf sich zu schauen, und zu gucken, welche Privilegien habe ich persönlich, z. B. aufgrund meiner Herkunft, meiner Hautfarbe oder meines Geschlechts. Was bedeutet das für mein Leben und was bedeutet es für Menschen, die diese Privilegien nicht haben. Seine eigenen Privilegien anzuerkennen und diese dann mit anderen zu teilen, in der Fachsprache auch „Power-Sharing“ genannt, ist ein wertvoller Beitrag zur Inklusion. Möglich ist das u. a. in Rahmen einer Patenschaft. Es kann aber auch niedrigschwelliger sein, z. B. das man sich als weiße Person zu Alltags-Rassismus positioniert.“

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Weitere Informationen zum Projekt und zum Engagement als Perspektivpat*in finden Sie hier.