5 Fragen zum Thema Integration an Annetta Ristow, Projektleitung und interkulturelle Trainerin bei Ceno

1: Was ist Ihre Aufgabe als Interkulturelle Trainerin?

In unseren Seminaren geht es um zwischenmenschliche Sensibilisierung in Theorie und Praxis. Es geht um einen achtsamen und wertschätzenden Umgang miteinander; unabhängig woher der Mensch kommt und was für eine Lebensgeschichte er mitbringt. Das soll in den Seminaren erspürt werden. Mit Übungen regen wir die Teilnehmenden zur Eigenreflektion an. Neue Ankommenspaten für Geflüchtete werden mit einem solchen Seminar auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zusätzlich werden die Seminare als begleitendes Qualifizierungsangebot für alle Ehrenamtlichen, die bei Ceno aktiv sind, angeboten.

2: Was bedeutet Integration für Sie und kann man Integration lernen?

Integration ist ein Prozess der Begegnung und der Wertschätzung. Man kann Integration leben. Voraussetzung ist eine Interaktion von mindestens zwei Seiten – wie das immer so ist in sozialen Beziehungen.

3: Integration ist also eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wie kann jeder Einzelne zum Gelingen beitragen?

Ich empfehle gerne das Rezept zur interkulturellen Kompetenz. Schauen Sie sich das an und verändern Sie es ggf. so, das es zu Ihnen persönlich passt. Wenn wir kochen, dann folgen wir ja auch nicht immer eins zu eins einem Rezept. Die Offenheit für Neues und für Begegnungen ist für eine gelingende Integration essentiell wichtig.

4: Empfinden Sie es manchmal auch frustrierend sich für Menschen einzusetzen, bei denen es unklar ist, ob sie in Deutschland bleiben dürfen?

Begegnung kann nie schaden. Jede Art von Beziehung ist etwas, was wir mitnehmen – egal woher wir kommen und wohin wir gehen. Als Beispiel nehme ich gerne die Hospizarbeit: Wir wissen, dass ein Abschied ansteht, kümmern uns aber trotzdem liebevoll um eine menschenwürdige Begleitung. Positive Erinnerungen und Erfahrungen sind für Menschen mit Fluchthintergrund enorm wichtig. Auch wenn sie zurück in ihr Heimatland müssen, nehmen sie diese schönen Momente für immer mit. Ganz wichtig für alle Beteiligten in der Geflüchtetenarbeit ist die Wertschätzung des Gegenübers, die Freude an der Begegnung und der Zusammenarbeit – auch wenn schwierige Themen anstehen.

5: Welche Geschichten aus den Projekten mit Geflüchteten sind Ihnen nachhaltig positiv im Gedächtnis geblieben?

All die vielen Freundschaften, die entstanden sind! Vor allem die Herzlichkeit, mit der die Freundschaften gelebt werden beeindruckt mich immer wieder. Definitiv positiv ist auch unser Theaterprojekt „Der Geschmack von Sprache“, bei dem Studierende der Arturo Schauspielschule eine Ankommenspatenschaft für jemanden mit Fluchthintergrund übernehmen. Es ist außergewöhnlich toll zu sehen, was künstlerisch und menschlich zwischen den jungen Menschen entsteht. Unentdeckte Ressourcen kommen zum Vorschein und Freundschaften entwickeln sich. Durch unsere Projekte begegnen sich Menschen, die draußen auf der Straße wahrscheinlich nie ins Gespräch gekommen wären. Das freut mich immer wieder ganz besonders!



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen