Wie wor dat früher denn en Düx?

Eine Senioren-Geschichtswerkstatt will den Deutzer Alltag vergangener Tage erforschen. Das Ergebnis soll nächstes Jahr als Buch erscheinen.

1929: Weltwirtschaftskrise. 1933: Hitlers Machtergreifung. 1939: Beginn des Zweiten Weltkriegs. 1945 Befreiung Kölns durch US-Truppen. Solche Jahreszahlen und die damit verbundenen Ereignisse kennt eigentlich jeder – oder sollte es zumindest, meint Gudrun Kleinpaß-Börschel. Aber wie haben die Menschen damals gelebt, was sind ihre ganz persönlichen Erlebnisse in der Weimarer Republik und Nationalsozialismus – speziell in Köln-Deutz? „Davon wissen wir noch viel zu wenig“, sagt das Mitglied der Seniorenvertretung Köln-Innenstadt. Eine Geschichtswerkstatt soll das ändern.

Sie ist das jüngste Projekt des Deutzer Seniorennetzwerks. Dies vermittelt unter anderem Paten, die Hauptschülern zum Abschluß und einer Lehrstelle verhelfen oder ihre Lebenserfahrung an junge Familien weitergeben. In der Geschichtswerkstatt haben sich neben Kleinpaß-Börschel sieben weitere Frauen und Männer zusammengefunden. Ziel ist es, noch möglichst viele Zeitzeugen aus Deutz zu befragen. Eine Zeit, in der das Radio noch eine technische Neuheit war, in der viele Wohnungen noch kein elektrisches Licht hatten und Eis zum Kühlen von Lebensmitteln mit Pferdewagen im Block geliefert wurde. Da erzählt eine Frau, wie sie sich als Schülerin in den Ferien während der Kriegsjahre als Straßenbahnschaffnerin verpflichtete und so dem Kriegseinsatz entging. Eine andere, dass sie keine weitere Ausbildung machen durfte, weil sie kein Mitglied der NS-Jugendorganisation Bund deutscher Mädchen (BdM) war. Und ein Mann berichtet, wie er als Kind in der Nachkriegszeit zwischen den zerstörten Häusern mit Bombensplittern spielte.

Die Interviews – jeweils etwa anderthalb Stunden lang - sollen nach Möglichkeit im nächsten Jahr in einem Buch veröffentlicht werden. Zur Illustration werden auch noch historische Fotos vom Alltag in Deutz gesucht. Hinzukommen aktuelle Fotos der Erzählenden. Die macht Stefanie Biel. Die 31 Jahre alte Sozialarbeiterin mit Interesse an Geschichte ist überzeugt: „Aus den Erfahrungen älterer Menschen können wir jungen nur lernen." Eine Fortführung der Arbeit etwa über die Wirtschaftswunderjahre ist nicht ausgeschlossen.