
"Ein Geben und Nehmen zwischen Jung und Alt..."
Roland Krüger
Generali Zukunftsfonds

"Ich unterstütze das Patenprojekt, weil..."
Eva-Maria Heinen
Förderpatin
Senioren begleiten junge Menschen nicht nur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
VON ANJA KATZMARZIK
Die Mischung hat es in sich. Paprika, Speck, Käse, Zwiebeln und natürlich Tomatensoße sind das Geheimnis von Julio Cesar Forte de Santana und Werner Schmitz, wenn sie gemeinsam kochen. „Welio“ nennen die beiden Freunde mit den ungleich klingenden Namen ihre ganz spezielle Pizza – eine Kombination aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.
Die Freundschaft, die den 18-jährigen gebürtigen Brasilianer und den 36 Jahre älteren Lindlarer verbindet, ist auf ungewöhnliche Weise entstanden. Sie wurden vermittelt – von „Ceno“, dem Zentrum zur nachberuflichen Orientierung, im Rahmen der Aktion „Der Pate“ als Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit.
Auch Maria Fencik (16) und Irene Muerer /62) lernten sich auf diesem Weg kennen. Die Hauptschülerin der Martin-Luther-King-Hauptschule erfuhr in einer Projektwoche von der Aktion - und ihre „Patin“ hatte schon lange nach einem Ehrenamt gesucht. „Aber es ist gar nicht so einfach, das Passende zu finden“, musste die ehemalige Redakteurin der Deutschen Welle feststellen.
Im September trafen sich die beiden zum ersten Mal, „Wir verabredeten uns am Telefon“, erzählen beide schmunzelnd wie ein altes Ehepaar von ihrem Kennen lernen. „Und trafen uns vor einem Patentreffen von Ceno am Hauptbahnhof.“ Komisch sei es schon gewesen, gesteht Maria – „aber positiv“. Von dort setzten sie den Weg buchstäblich gemeinsam fort.
Im Juni macht Maria ihren Abschluss und will dann „wahrscheinlich auf eine weiterführende Schule“. „Sie schwankt noch zwischen Krankenschwester und Altenpflegerin“, ergänzt die Patin, von der sich die Schülerin Unterstützung erhofft, „falls ich mal Probleme bei der Bewerbung habe oder ein Tief“. Ihre Eltern fänden die Unterstützung „super“. Und Irene Meurer hat sich bereits fit gemacht zu Themen wie Ausbildungsanforderungen, Berufsbildungskollegs und Überbrückungsjahr.
Der Kontakt zu der jungen Frau, die ihre Enkelin sein könnte, erinnert Irene Meurer, „wie ich selbst in dem Alter war“. Und bildet sie darin fort, was Jugend heute heißt. Maria nimmt Irene – alle Paten duzen sich gegenseitig – mit zum FC. „Und dich geh schon mal zum American Football“, deutet Frau Meurer bereits die nächste Freizeitaktivität an.
Anderthalb Jahre kennen sich Julio Cesar Forte de Santana und Werner Schmitz nun bereits. „Alles hat sich verbessert. Schulnoten, Berufswahl, alles“, berichtet der junge Mann und führt stolz durch die Schreibwarenabteilung des Kaufhof im Rheincenter Weiden, wo der ehemalige Hauptschüler seit August eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann macht. Santana war gerade erst nach Deutschland gekommen, als er seinen „Paten“ kennen lernte: Seine Deutschkenntnisse waren schlecht, die Versetzung in die zehnte Klasse stand auf der Kippe. Werner Schmitz, der in seinem Beruf seit 17 Jahren Schülerpraktikanten betreut, gab ihm Nachhilfe – ehrenamtlich. „Ich habe einfach einen guten Draht zu jungen Leuten:“
Inzwischen geht ihr Kontakt weit über die Ausbildungsplatzfrage hinaus. „Wir gehen oft zusammen ins Kino, wandern, haben unsere Familien kennen gelernt – und Fußball ist ein großes Thema.“ Beim wöchentlichen Tipp liege er jedoch weit vorne, erwähnt Schmitz genüsslich – und Julio bestätigt dies mit sichtlichem Bedauern.
Erfahrung macht sich eben doch manchmal bezahlt. „Und ich weiß auch, dass ich ihn manchmal damit nerve“, erzählt Schmitz. „Doch der Erfolg baut auf – sowohl ihn als auch mich.“ Für Julio Forte de Santana und Werner Schmitz steht auf jeden Fall schon fest, dass sie sich auch nach Ablauf der zweijährigen offiziellen Frist weiter sehen werden, aber daran verschwenden sie heute noch keinen Gedanken.
„Wir haben eine Freundschaft, so lange wir wollen,“, sagt der Auszubildende. „Ein Schritt nach dem anderen“, meint Schmitz, „jetzt macht er erstmal seine Lehre zu Ende – und dann sehen wir weiter.“



