Ein „Schulopa“ für jede Grundschule

VON HELMUT FRANGENBERG, 25.05.08, 21:03h

Karl-Heinz Krings weiß nicht mehr, wohin er all die vielen Bilder der Vingster Grundschüler hängen soll, die ihm immer wieder geschenkt werden. Der 63-jährige Rentner ist so etwas wie der „heiß geliebte Schulopa“, wie Schulleiter Manfred Brodeßer sagt. „Ich wollte nicht den ganzen Tag mit anderen Rentnern beim Merzenich rumsitzen, sondern etwas Nützliches tun“, sagt der ehemalige Versicherungsangestellte. Eine Meldung im „Kölner Stadt-Anzeiger“ habe ihn animiert, sich für das Projekt zu interessieren. Nun kümmert er sich um „Sorgenkinder“ der katholischen Grundschule in der Heßhofstraße. Drei Tage pro Woche erscheint er pünktlich zur ersten Schulstunde, um dann mit einzelnen Kindern Rechnen, Schreiben und Lesen zu üben. Manchmal gebe es ein regelrechtes Gerangel um ihn.

„Viele Schüler sind es nicht gewohnt, dass sich mal jemand für sie ganz alleine Zeit nimmt“, sagt der Vingster Schulleiter. Als „Belohnung“ bekomme man von den Kindern „unheimlich viel zurück“, schwärmt Krings. Gerne erzählt er von einem kleinen Schüler, der einmal die Woche freiwillig eine Stunde vor seinem eigentlichen Unterrichtsbeginn kommt, um mit ihm zu lernen. Dann verzweifelt man schon mal gemeinsam übers Einmaleins. „Das musst du so gut können, dass man dich mitten in der Nacht danach fragen kann“, habe er einem Jungen gesagt. Darauf habe dieser ihm seine Telefonnummer gegeben und sich in der nächsten Woche darüber beschwert, dass Krings nicht angerufen habe.

Für Brodeßer ist Krings Engagement mehr als nur eine Hilfe bei der Förderung einzelner Schulkinder aus einem schwierigen sozialen Umfeld. Es ist ein Beitrag zur „multiprofessionellen Schule, in der Lehrer nur noch ein Teil des Ganzen sind“. Menschen mit einer anderen als einer pädagogischen Ausbildung würden eine „ganz andere Sicht“, mit in die Schule bringen. „Das befruchtet unsere Arbeit.“

Die Schule als neues Betätigungsfeld für freiwilliges Engagement: „Mancher hätte anzubieten, was bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen so dringend gebraucht wird: Zeit, Autorität, Lebenserfahrung“, schreibt der Kölner Kabarettist Jürgen Becker in einem Aufsatz für die Zeitschrift „Begegnung“ des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Initiative von Becker und anderen Kölner Künstlern an der Hauptschule Borsigstraße hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Becker träumt von einer großen Bewegung: Wenn sich nur einer von zehn Rentnern für ein Engagement an Schulen gewinnen ließe, könnte man sogar jedem benachteiligten Grund- oder Hauptschüler einen eigenen Paten an die Seite stellen.

Bei dem Projekt, an dem Karl-Heinz Krings nun schon seit 15 Monaten teilnimmt, kommt ein weiterer spannender Aspekt dazu: Hier werden Jung und Alt über eine gemeinsame Aufgabe zusammengebracht. Mit Krings bildet die 17-jährige Katharina Wirtz an der Vingster Schule ein „Traumduo“, wie sie sagt. Wirtz hat sich für das befristete Engagement gemeldet, um die Zeit zwischen Schule und Ausbildung zu überbrücken. Die Arbeit mit den Kindern - sie hilft im Offenen Ganztag der Schule - hat ihr die nötige Sicherheit bei der Berufswahl gebracht. Der Plan, ins Hotelfach zu gehen, wurde begraben. Jetzt wird sie Erzieherin. „Die Arbeit mit Kindern macht mir total viel Spaß.“

Krings und Wirtz sind vom Verein „Ceno & Die Paten“ vermittelt worden. Ohne professionelle Begleitung geht es nicht, wenn das ehrenamtliche Engagement Wirkung haben und als ernst genommener Beitrag in den Alltag einer Schule integriert werden soll. „Ceno“ bietet zusätzlich für Freiwillige, die überall in der Stadt im Einsatz sind, Seminare an, wo sich Jung und Alt austauschen können. „Da kommen Leute zusammen, die sich sonst wohl nicht treffen würden und stellen fest, dass man viel voneinander lernen kann“, sagt Agnes Boeßner von „Ceno“.

Wichtig ist, dass sich die Schulen um die Freiwilligen bemühen müssen, „ihnen zeigen, dass ihr Engagement viel wert ist“. Das bedeutet, dass sie wie in Vingst in alle Aktivitäten der Schule integriert werden und sich selbst mit eigenen Ideen einbringen können. Außerdem müssen die Schulen 5000 Euro pro Jahr für den Einsatz der Freiwilligen aufbringen - ein Beitrag für die professionelle Begleitung und die kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von 154 Euro, die die Freiwilligen pro Monat bekommen. Das Interesse an Schulen sei groß, sagt Boeßner. Nun werden neue Freiwillige für Grund- und Hauptschulen gesucht.

Das Projekt Ge-Mit (Generationen miteinander im Freiwilligendienst) wird vom Verein „Ceno“, Gebrüder-Coblenz-Str. 10, 50679 Köln, betreut.
Telefon 02 21 / 8 00 83 70.