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Eva-Maria Heinen
Förderpatin
Kölner Wochenspiegel, Mittwoch, 21. Oktober 2009
Ein Buch gegen das Vergessen
Erinnerungen Deutzer Senioren
Von ANNETTE VON CZARNOWSKI
Deutz (ac). Deutz war früher „ein Dorf“, darin sind sich viele der 20 Zeitzeugen einig. Ihre Erinnerungen ergänzen eine Zusammenfassung der Deutzer Geschichte, die unter dem Titel „Deutz – ein Blick zurück“ erschienen ist. Die Idee entstand mit der Gründung des Deutzer SeniorenNetzwerks 2006: Viele Senioren wollten eigene Erlebnisse und Erinnerungen veröffentlichen.
Die neu gegründete Geschichtswerkstatt unter Leitung der ehemaligen Journalistin Irene Meurer ging das Projekt an und interviewte mit Gudrun Kleinpaß-Börschel und Ingrid Schneider Deutzer Senioren. Weitere Informationen lieferte das NS-Dokumentationszentrum, schließlich prägte die NS-Zeit Kindheit und Jugend der Zeitzeugen. Was zunächst als kleine Broschüre geplant war, wurde jetzt als 200 Seiten starker Bildband vorgestellt. „Ich hatte vor dem ersten Interview ziemliches Herzklopfen“, erinnert sich Gudrun Kleinpaß-Börschel.
Die Zeitzeugen berichteten von Erinnerungen an ein „dörfliches Deutz“, den genossenschaftlichen Wohnungsbau im Barmer Viertel und Freizeitprogramme mit der „Hitlerjugend“ und dem „Bund Deutscher Mädchen“. Gertrud Pochiero erinnert sich an die Emigration des jüdischen Kinderarztes Dr. Max Spiegel – Kläre Schalk beobachtete als Kind, wie sein Haus mit Steinen beworfen wurde. Elisabeth Recknagel und Wolfgang Ritzer erlebten mit, wie Menschen bei Deportationen am Deutzer Bahnhof in die Güterwagen geprügelt wurden und das Totschweigen in den Familien.
„Ihr Buch ist auch ein Buch über das Aufwachsen und Aufwachen in der NS-Zeit“, resümierte Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes in ihrer Ansprache. Die Zitate der Zeitzeugen wurden bewusst in „kölschen Tönen“ gehalten, auch wenn Gertrud Pochiero erst skeptisch war: „Ich dachte, so kann man kein Buch verkaufen.“
Die Publikation konnte dank Unterstützung der Sparda Bank, der Stadt Köln, des LVR und des Projekts „EFI – Erfahrungswissen für Initiativen“ sowie durch zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter realisiert werden. Es kann über den Verein Ceno & Die Paten e.V. (Gebrüder-Coblenz-Straße 10) bezogen werden.



