
"Ein Geben und Nehmen zwischen Jung und Alt..."
Roland Krüger
Generali Zukunftsfonds

"Ich unterstütze das Patenprojekt, weil..."
Eva-Maria Heinen
Förderpatin
Kölner Stadtanzeiger, 11.05.2009
Ist doch Ehrensache
Bewerben als Erfolgsgarantie
Von Helmut Frangenberg
Rentner wie Helga Dührkoop und Karl-Heinz Weingarten begleiten als Paten Zehntklässler in Kölner Hauptschulen. Als „echte Herausforderung“ wird der Einsatz für die Jugendlichen empfunden.
Köln - 18 Bewerbungen hat der Zehntklässler bereits abgeschickt, zwölf sind bereits als Ablehnungen zurückgekommen. Aufgeben kommt für Akif Yavuzcan nicht in Frage. Er hätte gerne einen Ausbildungsplatz in der IT-Branche, bleibt aber flexibel, lernt weiter für die Mittlere Reife, lässt sich helfen und plant gleichzeitig schulische Alternativen an Berufskollegs oder Gesamtschulen - ganz schön viel für einen 16-jährigen Hauptschüler. „Wenn man sieht, was ein Hauptschüler für ein Durchhaltevermögen haben muss, wundert man sich, dass überhaupt jemand ohne Hilfe etwas erreichen kann“, sagt Karl-Heinz Weingarten. Der Wirtschaftsingenieur im Ruhestand ist Akifs „Pate“ geworden. Der Sohn türkischer Eltern ist bereits sein drittes „Patenkind“, dem er beim Übergang von der Schule in den Beruf mit Rat und ganz praktischer Hilfe hilft.
„Ich habe nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht“, sagt der Vater dreier Töchter. Sich um Hauptschüler zu kümmern, sei eine echte Herausforderung, weil ganz viel Engagement nötig sei - und selbst dann sei keineswegs gewiss, dass am Ende ein Erfolg steht.
Wenn Weingarten und andere Paten, die im „Ceno-Patenprojekt“ mitmachen, erzählen, dokumentiert sich einmal mehr die schlechte Lage, in der sich Hauptschüler nach dem Ende der Schule befinden. Weingarten berichtet von einem Schüler, der bei seinem Abschlussfest geweint habe, weil er die Schule verlassen musste. Er hatte nichts, worauf er sich freuen konnte. Weingarten, der sogar die Eltern des Jungen bei der Abschlussfeier ersetzen musste, kümmerte sich anderthalb Jahre um den Jungen. Genützt hat es wenig. „Ich weiß nicht, was der Junge heute macht.“
So etwas kann frustrieren, aber es gibt eben auch die anderen Fälle: So hat der Pate einer Förderschülerin, die nicht übers neunte Schuljahr hinaus gekommen war, zu einer Lehre und schließlich auch zu einer Anstellung verholfen - allerdings waren dazu vier Jahre Begleitung, viel Kraft und regelrechte „Bewerbungsarien“ nötig.
Auch die pensionierte Kauffrau Helga Dührkoop hat schwierige „Fälle“ hinter sich. Nicht selten sind es die Eltern, die es den Paten und somit den eigenen Kindern schwer machen. Dann werden die freiwilligen Helfer nicht nur zu Begleitern auf Ausbildungswegen, sondern zu Vertrauenspersonen in allen Lebenslagen. „Ich brauche sie auch zum Reden über alle möglichen persönlichen Dinge“, sagt die 16-jährige Karin Kulla, die im August eine Lehre als zahnmedizinische Fachangestellte beginnen wird. Ihrer „Vorgängerin“, Lidia Gotfrit, hat Dührkoop auf dem Weg zur medizinischen Fachangestellten geholfen. Als Elfjährige ist sie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Ihre Eltern konnten ihr bei der Schullaufbahn nicht helfen. Sechs Jahre später ist sie eine selbstbewusste junge Frau, bei der man wenig Angst haben muss, dass sie ihren Lebensweg nicht mit Erfolg gehen wird.
Die Hindernisse und Hürden, auf die die Paten stoßen, sind vielfältig: Beim einen ist es das Elternhaus, beim anderen die schlechte Berufsvorbereitung in der Schule, einzelne haben starke persönliche Defizite. Immer wieder prallen die hohen Anforderungen der Berufswelt auf nicht ausreichende schulische Grundqualifikationen. Hinzu kommt, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen klein bleibt. „Die Jugendlichen heute haben es schwerer als wir früher“, meint Weingarten.
Das liegt nicht nur daran, dass sich Berufsbilder oder Arbeitswelt verändert haben und Hauptschüler schon durch ihre Schulform stigmatisiert sind. „Jugendliche haben immer Unterstützung gebraucht“, meint Dührkoop. Nur fehlten heute die, die früher geholfen hätten. Und so nehmen die Paten eine Rolle ein, die früher Familienmitglieder der Kinder übernommen hatten. Diese Art der Unterstützung müssten eigentlich alle Schulabgänger bekommen, findet Weingarten. „Jeder braucht einen Paten.“
Beide Seiten proftieren
Rein rechnerisch wäre das kein Problem. Es seien genügend erfahrene, potenzielle Helfer im Ruhestand, die den Jugendlichen immer wieder Mut machen können und Selbstsicherheit geben. Das sei das wichtigste an der Paten-Aufgabe, meint Wilhelm Baumeister, der bereits fünf Patenkinder hatte. Sich auf die einzelnen Jugendlichen immer wieder einzulassen, ohne sicher sein zu können, was aus der Beziehung auf Zeit wird, sei das Spannende an der Aufgabe. Davon profitieren alle, sagt Weingarten. „Auch ich habe viel dazu gelernt.“





