
"Ein Geben und Nehmen zwischen Jung und Alt..."
Roland Krüger
Generali Zukunftsfonds

"Ich unterstütze das Patenprojekt, weil..."
Eva-Maria Heinen
Förderpatin
Kölner Stadtanzeiger, 24.09.2009
Als Deutz noch wie ein Dorf war
Von Heribert Rösgen
Deutz. „Wenn wir mal nicht mehr sind, geht das alles verloren“, warnte vor drei Jahren eine damals 90-jährige Teilnehmerin bei der ersten Stadtteilkonferenz des Seniorennetzwerks Deutz. Sie regte an, dass ein Geschichtsbuch mit Zeitzeugenberichten erstellt werden müsste.
Diese Idee wurde nun Wirklichkeit: „Wider das Vergessen. Deutz – ein Blick zurück“ heißt das mehr als 200 Seiten dicke Buch, das jetzt vom Trägerverein des Seniorennetzwerks Deutz, dem Centrum zur nachberuflichen Orientierung, herausgegeben wurde. Eine dafür gegründete Geschichtswerkstatt sorgte dafür, dass viele Erinnerungen der Deutzer an ihren Stadtteil nun nicht verloren gehen können.
Bei der Widergabe der Zeitzeugen-Interviews entschied sich Projektleiterin Irene Meurer dafür, deren kölsche Mundart im Buch weitgehend beizubehalten. „So ist es authentischer“, begründete die frühere Nachrichten-Journalistin die Entscheidung. Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes schlug spontan vor, Lesungen in Deutzer Schulen oder auch über den Stadtteil hinaus zu organisieren.
Das Buch behandelt die Geschichte von Deutz. Die Anfänge vom früheren Römer-Kastell über die von Erzbischof Heribert gegründete Abtei, die Franzosen- und Preußenzeit sind prägnant beschrieben. Breiten Raum nehmen die Schilderungen aus der Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit ein – eben die Zeit von Kindheit und Jugend der zwischen 1921 und 1936 geborenen Zeitzeugen. „Wie erleben das Nebeneinander vor Terror und Normalität des Alltags“, so Scho-Antwerpes.
Das Konzept des Buches erinnert an das Format von TV-Dokumentationen zu geschichtlichen Themen. Hintergrundberichte und die Schilderungen der Zeitzeugen wechseln sich ab. Spätestens hier zeigt sich der Wert der authentisch wiedergegebenen Interviews. Viele Berichte behandeln das Alltagsleben in Deutz, wo es wie in einem Dorf zugegangen sein muss. Mit dem heutigen citynahen Flair hat dies nicht viel gemein.
Wenn es um die politischen Ereignisse geht, werden die Aussagen ehrlich, etwa wenn die Faszination eines jungen Schulmädchens beschrieben wird für die marschierende Jungmädelschar der NS-Zeit mit weißen Blusen. Andere berichten, dass Politik daheim selten zur Sprache kam, aus Furcht, dass die Kinder es verraten könnten, dass man katholisch oder sozialdemokratisch eingestellt war.
In kurzen Gesprächsrunden im Rahmen der Buchvorstellung gaben manche der Zeitzeugen zu, dass sie viele Jahre mit niemandem über diese Erinnerungen gesprochen haben. Bei anderen wurde offenbar die Lust geweckt, noch mehr aus ihrem Leben zu berichten. Eine Fortsetzung des Projekts scheint nicht ausgeschlossen.
Das Buch „Deutz – ein Blick zurück“ ist nicht im Buchhandel erhältlich. Es wurde in einer Auflage von 500 Stück herausgegeben. Der Preis beträgt 8,50 Euro. Bestellungen nimmt der Verein „Ceno & Die Paten“ entgegen, der die Trägerschaft für das Seniorennetzwerk Deutz übernommen hat. Seinen Sitz hat der Verein an der Gebrüder-Coblenz-Straße 10. Weitere Infos unter Telefon 02 21 / 8 00 83 70. (Rös) www.ceno-koeln.de



